StEG-A: Das Studiendesign

In unserer Teilstudie zur Stabilität von Bildungsverläufen beschäftigen wir uns mit der Frage, ob und wie Ganztagsschule auf die Schullaufbahn und auf den Übergang in die Ausbildung wirkt. Die nötigen Informationen für unsere Analysen erhalten wir durch insgesamt drei Befragungen bei den Schülerinnen und Schülern. In jeder dieser Erhebungen gehen wir auf einen anderen Zeitabschnitt ihrer Bildungslaufbahn ein. Mithilfe der Daten können wir abschließend zentrale Ereignisse nachvollziehen – aus der gesamten Schulzeit und auch darüber hinaus.

Im Rahmen unserer Forschung zum Übergang in die Ausbildung ist für uns von Interesse, welche Konzepte die Schulen bei der Berufsvorbereitung verfolgen und welche Angebote sie in diesem Bereich durchführen. Eine einmalige Befragung bei den Schulleitungen soll uns dafür die nötigen Informationen liefern. Um den Aufwand für sie möglichst gering zu halten, arbeiten wir hier mit einem Kurzfragebogen.

An unseren Erhebungen zur Stabilität von Bildungsverläufen und zum Übergang in die Ausbildung nehmen Schülerinnen und Schüler sowie die Schulleitungen von 100 Schulen der Sekundarstufe I teil.

Erfahren Sie mehr:

> zum generellen Ablauf dieser Teilstudie
> zur Erhebung der Ganztagsbiografie mit dem „Life History Calendar“
> über die Auswertung auf Basis verschiedener Profile
> über die weiteren Einflussfaktoren, die wir in unseren Analysen berücksichtigen

Von der Einschulung bis zur Gegenwart

Bei den Schülerinnen und Schülern findet die erste Befragung im Lauf ihres letzten Schuljahrs statt. Dabei gehen die Jugendlichen rückblickend auf ihre gesamte Schullaufbahn ein  – von der Einschulung bis zum Erhebungstermin. Zentrale Themen sind die Ganztagsteilnahme sowie Klassenwiederholungen und Schulwechsel.

Bei der Entwicklung unserer Fragebogen haben wir berücksichtigt, wie weit die Jugendlichen für ihre Antworten zurückdenken müssen. So konzentrieren wir uns bei der Grundschulzeit auf Fakten, an die sich die Schülerinnen und Schüler in der Regel selbst nach mehreren Jahren noch problemlos erinnern können: ob sie generell am Ganztag teilgenommen, eine Klasse wiederholt oder die Schule gewechselt haben. Erst ab dem Übergang auf die weiterführende Schule fragen wir auch Details zu den einzelnen Angeboten ab, an denen die Jugendlichen zusätzlich zum Unterricht teilgenommen haben.

Den ersten Fragebogen bearbeiten die Schülerinnen und Schüler schriftlich in der Schule. Für die beiden weiteren Erhebungen vereinbaren wir telefonische Einzelinterviews: Die zweite Befragung findet kurz nach dem Abschluss statt. Dann können die meisten bereits Auskunft über ihre weiteren Pläne geben – ob sie beispielsweise eine Ausbildung beginnen, einen Freiwilligendienst oder eine berufsvorbereitende Maßnahme absolvieren werden. In der dritten Erhebung fragen wir abschließend nach, wie der Übergang in die berufliche Ausbildung tatsächlich verlaufen ist.

Systematischer Rückblick

Für den Rückblick über die Ganztagsbiografie setzen wir einen sogenannten Life History Calendar ein. Dieser untergliedert die Schulzeit nach Jahren und gibt zusätzlich Kategorien vor, in die sich die verschiedenen Ereignisse einsortieren lassen. Die Schülerinnen und Schüler können dieses Raster nutzen, um sich systematisch zu erinnern: Sie tragen für jedes Jahr einzeln ein, an welchen und an wie vielen Kursen sie teilgenommen haben.

Zusätzlich machen die Befragten Angaben über ihre Aktivitäten außerhalb der Schule, beispielsweise in einem Verein, einer Jugendgruppe oder einer Musikschule. Diese könnten ebenfalls einen Einfluss auf die Schullaufbahn und den Übergang in die Berufsausbildung haben. Außerdem beziehen wir die Angebote der Schulen zur Berufsvorbereitung in unsere Untersuchungen ein: Zwar finden solche Maßnahmen auch im Rahmen des Unterrichts statt – im Ganztag bestehen jedoch erweiterte Möglichkeiten, entsprechende Angebote umzusetzen.

Für unsere Analysen fassen wir die einzelnen Aktivitäten zusammen: nach Schuljahren, Kategorien und Anbieter. Hat eine Schülerin beispielsweise in einem Jahr den Fußball- und den Volleyballverein besucht, so wären dies insgesamt zwei außerschulische Angebote der Kategorie „Sport“. Hat ein Schüler einer Ganztagsschule die Angebote Chor und Klarinette belegt, stünde dies für zwei außerunterrichtliche Ganztagsangebote in „Musik“; das Orchester der Musikschule wäre dagegen eine außerschulische Aktivität derselben Kategorie.

Unterschiedliche Profile

Anhand der zusammengefassten Angaben aus dem Life History Calendar bilden wir möglichst unterschiedliche Gruppen, beispielsweise „hoch Aktive“ und „gar nicht Aktive“. Innerhalb der aktiven Gruppe können wir wiederum nach der thematischen Breite der Angebote sortieren: Haben die Befragten Kurse aus verschiedenen Kategorien belegt? Oder stammen die Aktivitäten vor allem aus einem bestimmten Bereich, etwa Sport, Naturwissenschaften oder Kunst? Jede dieser Gruppen weist in Bezug auf ihre Aktivitäten ein bestimmtes Profil auf.

Um unsere Forschungsfragen zu beantworten, prüfen wir anschließend, welche Auswirkungen die jeweiligen Profile auf die Schullaufbahn und den Übergang in die Ausbildung haben. Von besonderem Interesse sind dabei die Unterschiede zwischen den Gruppen. Dies gilt auch in Bezug auf die Frage nach der sozial ausgleichenden Wirkung von Ganztagsschule: Hier können wir untersuchen, ob und wie sich die Ganztagsprofile sozial benachteiligter Jugendlicher von denen ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler unterscheiden.

Weitere Einflüsse kontrollieren

Neben der Teilnahme an Ganztagsangeboten können zahlreiche weitere Faktoren einen Einfluss auf die Schullaufbahn und den Ausbildungsübergang haben – beispielsweise die sozialen Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler, die allgemeine Stimmung an der Schule und der regionale Arbeitsmarkt. All diese Aspekte berücksichtigen wir deshalb in unseren Auswertungen.

Bei den sozialen Fähigkeiten konzentrieren wir uns besonders auf Merkmale, die für die berufliche Ausbildung eine Rolle spielen, etwa die Balance zwischen Durchsetzungs- und Anpassungsfähigkeit. Informationen über das Schulklima erhalten wir durch Fragen zur Stimmung unter den Jugendlichen. Darüber hinaus schätzen die Schülerinnen und Schüler ihre Beziehung zu den Lehrkräften und zum weiteren pädagogisch tätigen Personal ihrer Schule ein.

Um Daten über den Arbeitsmarkt der jeweiligen Regionen zu erhalten, nutzen wir außerdem offizielle Statistiken des Bundes und der Länder. Nur indem wir diese Daten in unsere Analysen einbeziehen, können wir sogenannte strukturschwache Regionen sinnvoll mit solchen vergleichen, in denen es viele Ausbildungsplätze gibt.