Leseverständnis und soziale Fähigkeiten

Der Übergang in die Sekundarstufe I ist eine besonders kritische Phase im Bildungsverlauf: Die Lernmotivation der Schülerinnen und Schüler sinkt allgemein ab – ein Prozess der bereits zum Ende der Grundschulzeit beginnt. In der Folge kommen Leistungseinbrüche ebenfalls häufiger vor als in anderen Altersstufen, außerdem tritt vermehrt problematisches Sozialverhalten auf. Lassen sich Lernmotivation und Sozialverhalten in der Sekundarstufe I jedoch stabil halten, so ist dies richtungsweisend für den späteren Erfolg in Ausbildung und Beruf.

Wirksame Förderung

Grundsätzlich müssten Ganztagsschulen aufgrund ihres größeren Zeitrahmens mehr Möglichkeiten haben, um Lernmotivation, fachliche Fähigkeiten und Sozialverhalten der Schülerinnen und Schüler positiv zu beeinflussen. In StEG-S wollen wir herausfinden, welche Faktoren maßgeblich für den Erfolg entsprechender Förderangebote sind.

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Konkret gehen wir in der Sekundarstufe I folgenden Fragen nach: Welche Merkmale müssen Unterricht und außerunterrichtliche Angebote aufweisen, damit sie das Lernen optimieren und die Schülerinnen und Schüler motivieren? Welche Effekte lassen sich auf die Ganztagsangebote zurückführen, welche auf den Unterricht? Wie wirken außerunterrichtliche Angebote und Unterricht zusammen? Wie müssen sich die Angebote vom Unterricht unterscheiden, damit sie ihr besonderes Potenzial für die individuelle Förderung entfalten können? Und welche Rolle spielt die Kooperation zwischen den beteiligten Personalgruppen für die Wirksamkeit der Ganztagsangebote? Für diese Untersuchungen haben wir zwei Lernfelder ausgewählt, die für die Ausbildungsfähigkeit eine zentrale Rolle spielen: soziale Fähigkeiten und Leseverständnis.

Ganztagsangebote und soziale Entwicklung

Im Hinblick auf ihre soziale Entwicklung haben Kinder in der Sekundarstufe I bestimmte Aufgaben zu meistern. Beziehungen zu Gleichaltrigen sowie die Übernahme sozialer Verantwortung rücken jetzt – im Vergleich zur früheren Kindheit – stärker in den Vordergrund. Auch viele Ganztagsschulen greifen das Thema „soziales Lernen“ aktiv auf: In den StEG-Befragungen 2009 waren es rund 60 Prozent der befragten Schulen. Bei der konkreten Ausgestaltung zeigten sich jedoch enorme Unterschiede.

In der ersten Phase von StEG konnten wir bereits belegen, dass die Teilnahme an Ganztagsangeboten problematisches Sozialverhalten mindern kann – und zwar unabhängig vom Inhalt der besuchten Kurse. Wir gehen jedoch davon aus, dass je nach thematischer Ausrichtung eines Angebots unterschiedliche Faktoren wirksam werden. Deshalb konzentrieren wir uns nun auf die Frage: Wenn Ganztagsangebote gezielt soziale Fähigkeiten fördern sollen – wie müssen sie gestaltet sein, um systematisch die gewünschten Wirkungen zu erreichen?

Leseförderung in der Ganztagsschule

Sprach- und Lesefähigkeiten haben generell eine hohe Bedeutung für den Bildungserfolg. Deshalb bleibt die Leseförderung in der Sekundarstufe I ein wichtiges Thema, selbst wenn der grundlegende Erwerb der Schriftsprache dann bereits abgeschlossen ist. Schwerpunkt ist jetzt das Leseverstehen – die Fähigkeit, über Texte nachzudenken und diese zu nutzen, um sich weiterzuentwickeln und am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.

Genau wie die allgemeine Lernmotivation nimmt jedoch auch die Lesefreude der Schülerinnen und Schüler in der Sekundarstufe I immer weiter ab, im Unterricht ebenso wie in der Freizeit. Dies wiederum kann negative Auswirkungen auf die Entwicklung der Lesefähigkeiten haben. Deshalb untersuchen wir im Rahmen von StEG-S: Können Ganztagsangebote zur Leseförderung die Schülerinnen und Schüler vor einer solchen negativen Entwicklung schützen? Und welche Einflussfaktoren tragen dazu bei?

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